Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin
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Medizin international: Der Umgang mit immigrierten Ärzten in deutschen Krankenhäusern als organisationsethische Herausforderung

Promotionsprojekt: Dr. Corinna Klingler, MSc
Kooperationspartnerinnen: Dr. Katja Kühlmeyer, Fatiha Ismail
Betreuer: Prof. Dr. med. Georg Marckmann, MPH
Förderung: Studienstiftung des deutschen Volkes (Promotionsförderung); Friedrich-Baur-Stiftung
Abgeschlossen: April 2019

Im Jahre 2017 praktizierten in Deutschland 45.370 Ärzte und Ärztinnen mit ausländischer Staatsbürgerschaft, das sind ca. 12% aller berufstätigen Ärzte in Deutschland. Die Anzahl der ausländischen Ärzte hat sich dabei im letzten Jahrzehnt nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Ärztemangels mehr als verdoppelt. In vielen Ländern mit hohen Einwanderungsraten wird – im Gegensatz zu Deutschland – seit langem zu Integration von migriertem Gesundheitspersonal geforscht. In der internationalen Literatur wird beschrieben, dass migrierte Ärzte bzw. ihre Kollegen mit verschiedenen Integrationsbarrieren konfrontiert sind. Die Erkenntnisse aus anderen Ländern lassen sich aber nicht ohne Weiteres auf den deutschen Kontext übertragen, da u.a. die Gesundheits- und Ausbildungssysteme anders strukturiert sind und sich dadurch andere Problemkonstellationen ergeben, für die sich andere Lösungsansätze als effektiv erweisen können. Als diese Arbeit begonnen wurde lagen für den deutschen Kontext keine empirischen Studien zu Herausforderungen in der Integration migrierter Ärzte in Deutschland und zu den Erfahrungen der an der Integration Beteiligten vor. Diese Forschungslücke wollte die vorliegende Dissertation schließen, um so die Grundlage für die Entwicklung von adäquaten Integrationsmaßnahmen zu legen.
Das Ziel des dieser Dissertation zugrundeliegenden Forschungsprojektes war es, besser zu verstehen, wie sich die Integration migrierter Ärzte in Deutschland darstellt bzw. wodurch im deutschen Kontext die Integration erschwert wird. Konkret lautete die übergeordnete Fragestellung: Welche Herausforderungen stellen sich in der Integration von migriertem ärztlichem Personal in deutschen Krankenhäusern? Integration muss dabei immer von zwei Seiten realisiert werden – vom migrierten Arzt selbst, aber auch von relevanten Akteuren des aufnehmenden Gesundheitssystems. Dementsprechend müssen beide Perspektiven einbezogen werden, wenn die Herausforderungen verstanden und angemessene Integrationsmaßnahmen entwickelt werden sollen. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes sollten daher beide Sichtweisen Abbildung finden. Das Promotionsprojekt gliedert sich dementsprechend in zwei Teilstudien. Es wurde eine Interviewstudie mit migrierten Ärzten durchgeführt, um zu verstehen, welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen, wenn sie in deutschen Kliniken praktizieren (wollen). Die zweite Studie beschäftigte sich mit der Perspektive relevanter Akteure des aufnehmenden Systems auf migrierte Ärzte und ihre Integration. Als relevante Akteure wurden dabei Personen betrachtet, die entweder mit migrierten Ärzten direkt zusammenarbeiten oder aufgrund ihrer politischen Tätigkeit mit der Situation migrierter Ärzte in Deutschland vertraut sind und deren Erfahrungen indirekt durch strukturelle Veränderungen beeinflussen können.
Die beiden Studien sind Open Access publiziert worden. Literaturangaben und Verlinkungen finden sich untenstehend:

Klingler C, Marckmann G. Difficulties experienced by migrant physicians working in German hospitals: a qualitative interview study. Human Resources for Health. 2016;14:57.


Klingler C, Ismail F, Marckmann G, Kuehlmeyer K. Medical professionalism of foreign-born and foreign-trained physicians under close scrutiny: A qualitative study with stakeholders in Germany. PLoS ONE. 2018;13(2):e0193010.

Zusätzlich wurde eine Kurzfassung der Interviewstudie mit migrierten Ärzten im Ärzteblatt veröffentlich. Der Artikel findet sich unter folgenden Angaben/Verlinkung:

Klingler C, Marckmann G. Integration im Gesundheitswesen: Ärzte fühlen sich oft allein gelassen. Deutsches Ärzteblatt 2017;114(7):267-268.